.. aus dem Hopfengarten des Braumeisters
Eindrücke aus dem Jahreskreis im eigenen Hopfengarten
Der Winterschalf im Hopfengarten beginnt mit dem Rückschnitt der Pfanzen im
Herbst einige Zeit nach der Ernte und der Anhäufung von Erde darüber zum
Schutz dieser.
Mitte März melden sich die ersten frischen Triebe indem sie das Licht und die
Wärme suchen und erinnern daran, dass ab nun regelmäßige Arbeiten eingeläutet
werden. Zu erst erfolgt je nach Sorte bis Mitte April der gekonnte Schnitt, sowohl
zum richtigen Zeitpunkt als auch an der richtigen Stelle. Nicht zuletzt stellen diese
frischen Triebe eine Spezialität dar und werden als Hopfenspargel angeboten.
Auch das Wild ist letztes Jahr auf den Geschmack der jungen Triebe gekommen.
Die folgenden Wochen und Monate stehen im Zeichen des Wachstums in
ungeahntem Ausmaß. Etwa 10cm/Tag und bis zu einen Meter/Woche kann dieses
ausmachen. Dazu werden die stärksten drei Triebe an den Leitdraht im
Uhrzeigersinn „angeleitet“, quasi eine Hilfestellung zur Orintierung. Diese drei
Triebe haben nur dann genug Kraft, wenn die restlichen unzähligen Ansätze
entfernt werden. Ergänzend wird das Laub im bodennahem Bereich entfernt,
ebenso wie von mir jeweils eine Tabakplanze beigepflanz wird, die den Befall mit
Läusen verhindern kann.
Sobald das Längenwachstum abgeschlossen ist folgt ein Breitenwachstum, bevor
im Juli eine beindruckende Blüte folgt. In all den Phasen bedarf es einer täglichen
Begutachtung - „Der Hopfengarten will seinen Herrn jeden Tag sehen“ - um einen
Befall durch Pilze, Läuse und anderes Ungemach zu identifizieren. Damit ist ein
rechtzeitiges Intervenieren und damit eine Ernteeinbuße oder gar dessen Ausfall
zu verhindern.
Ende August beginnt die Ernte des Hopfens. Das Reifekriterium ist eine lockere
Textur der Dolde mit einem charakteristischem Knistern beim Drücken derselben.
In Leonding erfolgt die Ernte per Hand, wobei die Limitierung durch die Trocknung
der Dolden mit haushaltsüblichen Gerätschaften gegeben ist. Dieser Schritt dauer
in etwa 5-6 Stunden. Danach zerkleinere ich dieses exzellente Biergewürz in einem
Foodprocessor, vacuumiere es und friere es ein. Aufgrund der Hopfenöle ist der
Hopfen ein sehr leicht verderbliches Gut und bedarf einer Verarbeitung innerhalb
von 6 Stunden.
Eine ganz besondere Anwendung besteht darin, den Hopfen frisch vom Garten im
Bier zu verwenden. Wir sprechen von Junghopfen, der frische, grasige und
kräuterige Aromen ins Bier bringt. Das MichaAle wird von mir traditionell
ausschließlich mit eigenem Hofen eingebraut. Aber auch das Braukunst Beta und
das Braukunst Delta beinhalten vornehmlich diesen.
Die Hopfensorten in Leonding
Perle: 6-9 % Alphasäure, 0,5-1,5 Hopfenöle, Aromaprofil: würzig, Zeder, Orange
Saazer: 3-6 % Alphasäure, 0,4-1,0 Hopfenöle, Aromaprofil: erdig, kräuterig,
blumig
Saphir: 2-4,5 % Alphasäure, 0,8-1,4 Hopfenöle, Aromaprofil: blumig, fruchtig,
Zitrus
Cascade: 5-9 % Alphasäure, 0,7-1,4 Hopfenöle, Aromaprofil: Litschis, blumig,
Grapefruit, Zitrus
Comet: 8-11 % Alphasäure, 1,0-2,0 Hopfenöle, Aromaprofil: Blaubeere, fruchtig,
Zitrusfrüchte
Spalter Select: 3-6,5 % Alphasäure, 0,6-0,9 Hopfenöle, Aromaprofil: kräuterig,
blumig, erdig
Hersbrucker spät: 2-4 % Alphasäure, 0,5-1,0 Hopfenöle, Aromaprofil: blumig,
kräuterig
Sorachi Ace: 10-14 % Alphasäure, 2,0-3,0 Hopfenöle, Aromaprofil: starkes
Lemonaroma, Kokos
Taurus: 12-17 % Alphasäure, 0,9-1,4 Hopfenöle, Aromaprofil: fruchtig, intensiv,
Johannisbeere, süßlich
Magnum: 11-15 % Alphasäure, 1,6-2,6 Hopfenöle, harzig, kräuterig, Pinie
Amaryllis (Amarillo ähnlicher Stamm): 7-11 % Alphasäure, 1,5-1,9 Hopfenöle,
Aromaprofil: blumig, Zitrus, Orange
Mango-Joe: ??% Alphasäure, ?? Hopfenöle; Mango
Ein ganz besonderer Dank gilt Sepp Reiter, Hopfenbauer, Obmann der
Hopfenbaugenossenschaft in Neufelden und ausgewiesener Experte. Er
steht von Beginn an mit Rat und Tat zur Seite und ermöglicht dadurch erst
ein Gelingen eines derartigen Projektes.
© Dr. Markus Mayrhofer, www.brautastic.at
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